Zu Weihnachten mit Ochs und Esel
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Was haben ausgerechnet Ochs und Esel an der Krippe zu suchen? Schauen
wir in Weihnachtsgeschichte, so fehlen diese dort. Und doch gehören
diese beiden Tiere zur Krippe und zum Stall.
Der Ursprung dieser Tradition findet sich im Alten Testament,
im Buch des Propheten Jesaja. Gleich zu Beginn heißt es dort: „Der
Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel
aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“
Jesaja möchte mit diesem Satz zeigen, wie sehr sich der Mensch immer
wieder gegen die Herrschaft Gottes sperrt – ganz im Gegensatz zum
Vieh. Trotz Gottes Fürsorge, trotz seiner Güte hat sich das
Volk Israel immer wieder von ihm losgesagt, ist von ihm abgefallen und
hat sich sogar gegen ihn aufgelehnt.
Mit Bedacht wählt der Prophet zur Verdeutlichung seines
Anliegens gerade einen Ochsen und einen Esel. Beide sind treue Haustiere,
die – auch wenn ihnen gelegentlich Dummheit und Naivität nachgesagt
wird – doch stets wissen, wo ihr zuhause und damit auch was zu Essen
ist. Der Ochse erkennt seinen Eigentümer, obwohl er von diesem in
das Joch eingespannt wird und den Pflug ziehen muss. Der Esel findet die
Krippe seines Herrn, obwohl er mit schweren Lasten bepackt wird und unter
diesen manchmal zusammenbricht.
Jesaja möchte anhand der beiden Tiere die Instinktlosigkeit
und auch die Unbegreiflichkeit des Verhaltens des Volkes Israel aufzeigen
und durch diese deutlichen Worte aufrufen zu Umkehr und zu Besinnung.
Und damit gelten diese Worte auch uns heute, ist der Advent doch eine
Zeit der Umkehr und Besinnung.
Was möchte Ochs und Esel uns mit auf den Weg geben,
jetzt, in der Adventszeit? Drei Anregungen zum Nachdenken möchte
ich Ihnen nennen:
1. Auch wir verdanken es – wie Ochs und Esel –
Propheten, dass wir zur Krippe gehen, dass wir an Jesus glauben und somit
auch das Geburtsfest Jesu feiern. Bei unseren Tieren in der Krippe ist
es Jesaja. Welche Namen tragen unsere Propheten? Wer hat in unserem Leben
dafür gesorgt, dass wir Christus kennen lernen durften? Unsere Eltern,
ein Priester, der Religionslehrer? Wer ist für uns in Glaubensdingen
so etwas wie ein Prophet?
2. Auch wir stöhnen oft unter einem Joch, das uns niederdrückt
und unser Leben schwer macht. Was sind unsere Joche? Welche können
wir ablegen und welche sollten wir weiter tragen? Sehen wir uns mit diesen
Lasten in Solidarität mit Jesus?
3. Sind auch wir klug genug, in diesen Tagen des Advents
unseren Herrn zu erkennen? Bei all der Geschäftigkeit, bei all den
Vorbereitungen ... „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel
die Krippe seines Herrn.“ Oder muss es bei uns eher heißen:
„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“
Oliver Merkelbach